Schutzraum im Keller — Umbau & Schutzlüftung
Ehrlich vorweg: Ein umgebauter Hauskeller ist kein Bunker. Er schützt gut vor Splittern, Trümmern, Druckwellen in einiger Entfernung, radioaktivem Niederschlag und Kälte — nicht vor einem direkten Treffer. Die Schritte sind nach Wirkung pro Aufwand sortiert.
1. Raum wählen (kostenlos)
- Tief und innenliegend: möglichst viel Erde und viele Wände zwischen euch und draußen, keine oder wenige Außenwände, keine Fenster.
- Weg von Gefahren: Heizöltank, Gasleitungen, Gastherme, Chemikalien, schwere Regale.
- Hochwasser prüfen (nahe Bäche und Flüsse, Grundwasser) — ein volllaufender Keller ist eine Falle.
- Platz: Schweizer Schutzräume rechnen mit etwa 1 m² pro Person, Haustiere zusätzlich; mit Liegeplätzen besser das Doppelte.
2. Öffnungen sichern (größter Effekt)
- Kellerfenster/Lichtschächte sind die Schwachstelle: innen Holzplatte + Sandsäcke, oder Lichtschacht außen mit Sandsäcken/Kies füllen und mit einer Platte abdecken. Rund 50 cm Sand/Erde halten Splitter und senken Strahlung stark.
- Tür: massiv (Stahl oder Vollholz), öffnet nach außen.
- Zweiter Ausgang: Notausstieg über einen Lichtschacht, von innen zu öffnen. Werkzeug im Raum: Brechstange, Hammer, Säge.
3. Decke & Statik — nur mit Fachleuten
Abstützen mit Baustützen und Querbalken gegen herabfallende Trümmer ist möglich — vorher Statiker fragen, keine tragenden Wände verändern. In der Schweiz ist Schutzraumbau Standard; Schweizer Schutzraumfirmen beraten auch bei Nachrüstung.
4. Schutzlüftung — Luft ist das häufig vergessene Problem
In einem dichten Raum verbrauchen Menschen und Tiere in Stunden den Sauerstoff, CO₂ steigt. Eine Schutzlüftung soll drei Dinge leisten:
- gefilterte Frischluft zuführen,
- im Raum einen leichten Überdruck erzeugen, damit keine ungefilterte Luft durch Ritzen hereinkommt,
- ohne Netzstrom weiterlaufen (Handkurbel oder Akku).
Die wichtigste Regel
Den ABC-Filter nie selbst bauen. Selbstgemischte Aktivkohle, Staubsauger-, Auto- oder Haushaltsfilter schützen nicht verlässlich. Selbst bauen kann man die dichte Lüftungsstrecke mit Überdruck um einen gekauften, zertifizierten ABC-/CBRN-Schutzraumfilter herum.
Aufbau (Reihenfolge der Luft)
Außenluft → Wetterschutz/Insektengitter → Explosionsschutzventil → Vorfilter (Grobfilter) → zertifizierter ABC-Filter → Radiallüfter (Strom + Handkurbel) → Rückschlagklappe → Schutzraum (Überdruck) → Überdruck-/Explosionsschutzventil auf der gegenüberliegenden Seite → außen. Im Alltag läuft die Frischluft über einen Bypass am Gasfilter vorbei; erst im Ernstfall wird auf Filterbetrieb umgeschaltet.
Eigene, verbesserte Zeichnung. Gegenüber der Vorlage korrigiert: Abluft auf der gegenüberliegenden Seite (nicht zurück zur Ansaugung), Explosionsschutzventil an der Ansaugung ergänzt, Frischluft-Bypass für den Alltag, Auslegung für euren Haushalt. Original-Infografik: blog.hennweb.de (Link unten).
Was im ABC-Filter passiert
| Schicht | Wirkt gegen |
|---|---|
| Vorfilter | groben Staub, schützt die teuren Schichten |
| Schwebstofffilter (HEPA) | radioaktiven Staub, Bakterien/Sporen, Aerosole |
| Aktivkohle (oft imprägniert) | chemische Gase und Dämpfe |
| Nachfilter | Kohleabrieb |
Wie viel Luft braucht ihr?
Faustregel: 3 bis 10 m³ gefilterte Luft pro Person und Stunde — gemessen nach dem Filter, nicht die Leistung des Lüfters ohne Filter.
| Beispiel: 4 Schutzplätze | |
|---|---|
| Minimum | 12 m³/h |
| gut | 24 m³/h |
| komfortabel (längerer Aufenthalt) | 40 m³/h |
→ Im Beispiel: eine Anlage für 25–40 m³/h Filterluft. Eure genauen Werte (Schutzplätze, Luftmenge, Mengen) rechnet die Einkaufsliste Schutzraum aus dem im Vorrats-Rechner eingetragenen Haushalt — großer Hund ≈ ½ Platz, kleiner ≈ ¼ Platz.
Akku für den Lüfter
Leistung des Lüfters (Watt) × Stunden = Wattstunden. Beispiel: 40 W × 24 h = 960 Wh — mit Verlusten 1,2–1,5 kWh Akku pro Tag einplanen. Dazu Handkurbel als Reserve.
Einbau-Hinweise
- Ansaugung nicht am Boden (viele Giftgase sind schwerer als Luft), regengeschützt, weg von Abgasen, Garage und Kellerabfluss.
- Wanddurchführung luftdicht mit Rohrhülse, Manschette, EPDM-Dichtung und verschraubtem Flansch — nicht nur Bauschaum.
- Filtergehäuse absolut dicht — Luft darf nicht am Filter vorbeiströmen.
- Radiallüfter oder fertiges Schutzraumgerät — kein Bad- oder PC-Lüfter (der ABC-Filter bremst die Luft stark).
- Überdruck prüfen mit einem Differenzdruck-Manometer; der Raum muss leicht positiv gegenüber außen sein. Nie Unterdruck — der saugt ungefilterte Luft herein.
- ABC-Filter originalverpackt, trocken, dunkel lagern, erst im Ernstfall einsetzen (Herstellerangabe beachten). Ersatz-Vorfilter bereithalten.
Materialliste
- zertifizierter ABC-/CBRN-Schutzraumfilter + passendes Filtergehäuse mit Dichtflansch
- Vorfilterbox mit Ersatz-Grobfiltern
- Radiallüfter mit Druckreserve (12/24 V oder 230 V) + Akku + Handkurbel-Option
- Rückschlagklappe, Überdruck-/Abluftventil
- Metall- oder druckfestes Lüftungsrohr, Wanddurchführungen, EPDM-/Silikondichtungen
- Differenzdruck-Manometer, CO₂-Messgerät, CO-Melder
- Datenblatt des Filters
Einfachere Alternative: fertiges Schutzraum-Belüftungsgerät mit Hand- und Elektrobetrieb (Schweizer Standard, geprüft). Teurer, aber sicherer als Eigenbau.
🛒 Einkaufsliste mit allen Teilen, Richtpreisen und Links: EINKAUF-SCHUTZRAUM.html (auch in der Seitenleiste).
Endabnahme: Auslegung und Einbau von einem Lüftungsbauer, Schutzraumausrüster oder Haustechnik-Fachplaner prüfen lassen.
5. Ausstattung für 2–14 Tage
Bei radioaktivem Niederschlag gilt die 7/10-Regel: nach 7 Stunden noch ca. 10 % der Strahlung, nach 49 Stunden ca. 1 %. Die ersten 1–2 Tage sind die wichtigsten.
- Wasser 2 l/Person/Tag + Tierwasser (Menge: Einkaufsliste/Vorrats-Rechner), Essen ohne Kochen, Dosenöffner
- Eimer mit Deckel, Müllbeutel, Katzenstreu (auch für Haustiere)
- Stirnlampen, LED-Laternen, Batterien; Kurbelradio — Empfang im Keller vorher testen, ggf. Wurfantenne nach draußen
- Feldbetten/Matratzen, Schlafsäcke; für ältere Personen einen richtigen Stuhl und ein Bett
- Hausapotheke, Medikamente 2 Wochen, FFP2-/FFP3-Masken
- Brechstange, Hammer, Säge, Handschuhe, Feuerlöscher/Löschdecke
- Keine Verbrennung im Raum (Kocher, Kerzen über lange Zeit, Aggregat) — CO-Melder!
- Haustiere: Leinen, Maulkorb, Decken, Futter
6. Üben
- Eine Probenacht mit allen (auch den Tieren) — danach wisst ihr, was fehlt.
- Zeit vom Alarm bis in den Keller messen — mit den langsamsten im Haushalt. Ziel: unter 2 Minuten.
7. Öffentliche Schutzräume & alte Bunker
Deutschland (Stand 09/2026): Deutschland hat 2007 den öffentlichen Schutzbau aufgegeben. Bundesweit sind noch 579 Anlagen mit rund 478.000 Plätzen gewidmet (unter 1 % der Bevölkerung) — laut BBK ist keine davon einsatzbereit. Der Bund baut keine neuen Bunker (Dobrindt, 14.09.2026), sondern lässt Kommunen bis Ende 2026 Tiefgaragen, Tunnel und Keller öffentlicher Gebäude als „Schutzorte" erfassen. Diese sollen später in der NINA-App angezeigt werden. Einen Termin gibt es nicht.
- Frühere Zivilschutzanlagen aus dem Kalten Krieg (z. B. Mehrzweckanlagen in Tiefgaragen, ehemalige Hilfskrankenhäuser) sind heute meist umgenutzt — nicht betriebsbereit, kein Anspruch auf Zutritt. Ein Verzeichnis (Stand 2007) gibt es bei geschichtsspuren.de; man kann es im eigenen Browser normal ansehen.
- Legaler Weg zur vollständigen Liste: Zuständig für die noch gewidmeten Anlagen ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA); Baden-Württemberg hat mit 220 von 579 die meisten. Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz (Bund: IFG; Länder z. B. LIFG Baden-Württemberg) an die BImA und an deine Stadt/Gemeinde lassen sich kostenlos über fragdenstaat.de stellen. Sinnvolle Fragen: Welche öffentlichen Schutzräume sind in meiner Gemeinde/meinem Landkreis noch dem Zivilschutz gewidmet (Adresse, Art, Zahl der Plätze, Zustand)? Welche Orte wurden als Schutzorte gemeldet (Tiefgaragen, Keller öffentlicher Gebäude)? Wie wird die Bevölkerung im Ernstfall darüber informiert?
Schweiz: Schutzraumbau ist dort Standard. Die Schutzräume sind den Einwohnern der jeweiligen Gemeinde zugeteilt — nicht für Bewohner der Nachbarländer. Den zugewiesenen Schutzplatz erfährt man bei der eigenen Gemeinde.
Andere Länder: Auskunft gibt die Behörde für Bevölkerungsschutz deines Landes (Regionsbox).
Vorsicht bei Karten und Ruinen: In OpenStreetMap als Bunker eingetragene Objekte sind oft alte Militärbunker oder Festungsanlagen — meist verschlossen („access: no/private"), keine Schutzräume für Zivilisten. Burg- und Festungsruinen sind ebenfalls keine Schutzräume. Die vielen „Sammelplätze" von Firmen und Schulen sind Feuer-Sammelplätze, kein Schutz bei Luftalarm.
Was das für dich heißt:
- Dein Keller bleibt Schutzort Nr. 1: in unter 2 Minuten erreichbar, mit allen im Haushalt, auch Älteren und Tieren. Kein öffentlicher Bunker schlägt das bei kurzer Vorwarnzeit.
- Unterwegs bei Luftalarm: in die nächste Tiefgarage (unterstes Deck, weg von Einfahrten), einen Keller oder ein massives Gebäude, nicht ins Auto.
- Einmal nachfragen: bei deiner Stadt/Gemeinde (Ordnungsamt/Bevölkerungsschutz), ob und wo Schutzorte erfasst wurden. Dann hier eintragen: ……
- Die Warn-App deines Landes aktuell halten (Deutschland: NINA — dort erscheinen die Schutzorte, sobald der Bund sie freigibt).
Quellen (Deutschland): BBK Schutzbauwerke; Münster Aktuell 14.09.2026 (Dobrindt, Kommunaltagung BMI); Correctiv 13.05.2026; Zivilschutzanlagen-Verzeichnis geschichtsspuren.de (Stand 2007).
Reihenfolge nach Kosten
| Schritt | Aufwand |
|---|---|
| Raum wählen, aufräumen, Gefahren entfernen | gering |
| Wasser, Licht, Radio, Toilette, Liegen, CO₂-/CO-Melder | gering–mittel |
| Lichtschächte mit Sandsäcken/Platten, Notausstieg | mittel |
| Massive Tür, Deckenabstützung (Statiker) | mittel–hoch |
| Schutzlüftung mit zertifiziertem ABC-Filter | hoch |
Quelle Schutzlüftung (Abschnitt 4): Zusammenfassung und Umrechnung nach „Schutzraum Filter selber bauen DIY", HennWeb Blog (blog.hennweb.de/schutzraum-filter-selber-bauen-diy), Stand Juli 2026 — Original mit Schaubildern dort. Verhaltensregeln bei Gasen: BBK.