Flucht & Evakuierung
FLUCHTWIDGETHIER
Bleiben oder gehen? (wichtigste Entscheidung)
Bleiben (meist richtig) bei: Stromausfall, Versorgungsengpässen, Unwetter. Die Wohnung bietet Schutz, Vorräte, Wärme. Evakuierung ist selbst ein Risiko.
Gehen nur wenn: Behörden es anordnen (Lautsprecherwagen, Radio, Warn-App — in Deutschland z. B. NINA), unmittelbare Gefahr am Ort (Hochwasser steigt, Großbrand, Chemieunfall in Windrichtung), oder die Versorgung dauerhaft zusammengebrochen ist und das Ziel sicher erreichbar + besser versorgt ist.
Regel: Nie ins Ungewisse fliehen. Ein Ziel (Verwandte, Bekannte, offizielle Anlaufstelle) muss feststehen — sonst bleiben.
Fluchtrucksack (pro Person, max. ~10–12 kg)
- [ ] Dokumentenmappe (siehe Ratgeber 09) + Bargeld
- [ ] Wasser (1,5 L) + Trinkflasche, Energieriegel/Nüsse für 2 Tage
- [ ] Medikamente (persönliche!), Mini-Erste-Hilfe-Set
- [ ] Wetterkleidung, feste Schuhe, 1× Wechselwäsche, Mütze
- [ ] Schlafsack/Rettungsdecke, kleine Isomatte
- [ ] Stirnlampe + Ersatzbatterien, Taschenmesser, Feuerzeug
- [ ] Powerbank + Kabel, Radio (klein), PMR-Funkgerät
- [ ] Hygiene-Minimalset, Toilettenpapier, Müllbeutel
- [ ] Papierkarte der Region + dieser Ordner auf USB-Stick
- Kinder: Tragehilfe, Lieblingsspielzeug, Snacks. Haustier: Leine/Box, Futter.
Verhalten bei angeordneter Evakuierung
- Ruhe bewahren, Anweisungen der Einsatzkräfte folgen
- Herd/Wasser/Strom aus (Hauptschalter), Fenster zu, abschließen
- Zettel an Tür: „Wohnung geräumt, [Anzahl] Personen, Ziel, Datum/Uhrzeit"
- Nachbarn informieren/mitnehmen (besonders ältere!)
- Offizielle Routen nutzen — keine „Abkürzungen" (können gesperrt/gefährlich sein)
- Bei Chemie-/Rauchgefahr: quer zur Windrichtung aus der Gefahrenzone
Routenplanung ohne Internet
- Offline-Karten-App (Organic Maps/OsmAnd, vorher laden!): echte Straßen-Navigation mit GPS — GPS funktioniert auch ohne Mobilfunknetz
- Papierkarte als Backup (Akku!)
- Das Widget oben gibt Richtung, Distanz und Zielorte — die Feinnavigation macht die Karten-App
- Zu Fuß: 4–5 km/h, mit Gepäck/Kindern eher 3 km/h → 30 km = ein sehr langer Tagesmarsch
- Fahrrad: 3–4× schneller als zu Fuß, unabhängig von Stau und Benzin
- Auto: nur mit vollem Tank und solange Straßen frei sind — bei Massenflucht sind Autobahnen schnell blockiert; Landstraßen bevorzugen
Was ist ein „sicheres Gebiet"?
Abhängig von der Lage — Faustregeln: - Weg von: Großstädten (Versorgungskollaps, Unruhen), Industrieanlagen/Chemie, Flüssen (Hochwasser), militärischen Anlagen - Hin zu: ländlichen Kleinstädten/Dörfern (kurze Versorgungswege, Brunnen, Landwirtschaft), erhöhtem Gelände bei Flut, bekannten Menschen (das beste „sichere Gebiet" ist eines, wo man erwartet wird!) - Bei Chemie/Rauch: quer zum Wind, bei Flut: bergauf, bei Stadt-Unruhen: raus aufs Land
Wohnort nahe einer Landesgrenze
Ein Ziel im Nachbarland kann eine Option sein — aber kein Garant: - Nächste Grenzübergänge kennen (auch kleinere, die nicht an der Autobahn liegen) und in der Karten-App offline verfügbar haben - Ausweise/Pässe aller Personen griffbereit (Dokumentenmappe!), etwas Bargeld in der Währung des Nachbarlands - Haustiere: Heimtierausweis, Mikrochip, gültige Tollwutimpfung (Einreiseregeln des Ziellands vorher prüfen) - In einer echten Großkrise können Grenzen kontrolliert oder geschlossen werden; für wehrpflichtige Personen kann die Ausreise rechtlich eingeschränkt sein (Ratgeber 19) - Ziel-Kontakt im Nachbarland vorher klären — sonst gilt: nie ins Ungewisse fliehen
Haushalte mit Haustieren
Pro Person einen Fluchtrucksack packen (Kinder entsprechend leichter). Haustier: Transportbox/Leine, Futter für 3+ Tage, Wassernapf, Impfpass. Bei Evakuierung Tiere nie zurücklassen — offizielle Notunterkünfte nehmen Tiere oft nicht auf → ein privates Ziel (Verwandte, Bekannte) ist dann besonders wichtig.
Jetzt vorbereiten (ausfüllen!)
| Ziel 1 | Ziel 2 (andere Richtung!) | |
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| Ort/Adresse | ||
| PLZ | ||
| Kontakt dort | ||
| Entfernung/Route |
Zwei Ziele in verschiedenen Richtungen wählen — die Gefahr bestimmt, welches nutzbar ist.